Revision einer Skulptur / Revision of a sculpture SKULPTUR INSTALLATION / SCULPTURE INSTALLATION 1996/1999

Skulptur-Installation / Sculpture installation, Material: Gips / Plaster, Farbfassung (Kreidegrund, Poliment, Vergoldung) / Colour setting (white stuff, reddle, leaf gilding), Epoxidharz / Epoxy resin, Holz / Wood, Stahl / Steel, Größe / Size: ca. 210cm x 170cm x 80cm

Revision einer Skulptur bezieht sich auf die Stifterfigur Uta von Ballenstedt aus dem Westchor des Naumburger Doms – einer Steinskulptur aus dem 13.Jahrhundert, welche, lange unbeachtet, plötzlich Ende des 19. Jahrhunderts Bedeutung erlangte und in der Zeit des Nationalsozialismus popularisiert und kultisch verehrt wurde. Historisch ist über das Leben der Stifterin, deren Steinskulptur erst 200 Jahre nach ihrem Ableben geschaffen wurde, sowie ihrer Persönlichkeit nichts bekannt, außer dass sie mit dem Meißener Marktgrafen Ekkehard II. kinderlos verheiratet war.

„Uta von Naumburg“ wurde in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, insbesondere durch die licht- und unschärfe-atmosphärischen Photographien von Walther Hege, in denen er die Skulptur auch visuell aus ihrem Umfeld herauslöste, als solitäre, lebendig anmutende Gestalt wahrgenommen. Jenes, durch die Photographie verliehenem Antlitz, wurde mit unterschiedlichsten, teils nicht miteinander zu vereinbarenden Ideal- und Rollenvorstellungen einer Heiligen, Mutter, Jungfrau, Geliebten, eines Herrenmenschen sowie einer Arierin gefüllt. Ähnlich wie die Skulptur nur noch ein Verweis auf einen gelebten Menschen ist, lösten die photographischen Porträts nicht nur eine weitere Distanzierung zu dem Ursprung aus, sondern erschufen eine Leerstelle, die Raum für neue Metaphern und Interpretationen bot, die den Sehnsüchten des zeitgeschichtlichen Kontextes entsprachen.

Die Skulptur-Installation basiert auf drei figurativen Segmenten, welche nicht mehr zusammensetzbar sind, obwohl dies scheinbar möglich ist. Die „Uta“ wurde nach dem Original im Naumburger Dom kopiert und in zwei Segmente geteilt. Der obere Teil ist weiß überfasst. An Kopf und Mantel sind Freilegungsschnitte angelegt, welche die ursprüngliche Farbfassung erkennen lassen. Der untere Teil hat eine gealterte, patinierte Oberfläche, welche dem Materialcharakter von Alabaster entspricht. Das dritte Segment stellt die obere Hälfte einer Marienfigur mit Kind dar. Diese unvollständige Skulptur weist dieselbe Teilungskante auf wie die der „Uta“ und wirkt wie ein Versatzstück. Im Gegensatz zur „Uta“ ist die „Maria“ farbig gefasst. Das Gesicht ist erkennbar implantiert und trägt zeitgenössische Züge, die an ‚Lady Diana’ erinnern könnten.

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Revision of a Sculpture refers to the donor figure Uta von Ballenstredt from the west choir of Naumburg Cathedral – a stone sculpture from the 13th century that, unheeded for a long time, suddenly gained importance at the end of the 19th century and was popular and cultically revered in the times of National Socialism. Historically, there is little known about neither the life not the personality of the benefactress whose stone sculpture was created only 200 years after her death with the exception of the fact that she was married childless to the margrave of Meissen, Ekkehard II. Mainly through the diffuse-atmospheric photographies by Walther Hege, that liberated the sculpture visually from her background, ‘Uta von Naumburg’ was perceived in the thirties of the 20th century as a solitary, life-like figure. This countenance thus bestowed upon her was imbued with diverse, partly irreconcilable, role models as a saint, mother, virgin, lover, ‘Herrenmensch’ and Aryan. In a similar way as the sculpture is only the reference of a living human being, the photographic portraits not only induced a further alienation from the origin but also created a vacancy, which offered room for new metaphors, and interpretations that corresponded to the yearnings of the contemporary context.

The sculpture-installation is based on three figurative segments, which cannot be assembled although this seems possible. ‘Uta’ was copied after the original in Naumburg cathedral and divided in two segments. The upper part is covered in white. At the head and the cloak the white material is cut open to reveal the original coloured setting. The lower part is given an aged and patinated surface, which resembles the material character of alabaster. The third segment represents the upper half of a Madonna figure with child. This incomplete sculpture shows the same edge of separation as the ‘Uta’ and appears like a pledge. In contrast to ‘Uta’, ‘Mary’ is rendered in colour. The face is visibly implanted and carries contemporary features that may remind of ‘Lady Diana’.

Präsentationsorte / Places of presentation

Galerie Nord – Kunstverein Tiergarten, Berlin, innerhalb der Ausstellung / in the space of the exhibition „origins & nations“ (Kurator /Curator: Ralf Hartmann), 2005
Nietzsche Haus Naumburg, innerhalb der Ausstellung / in the space of the exhibition „Uta – Dokumente einer schwierigen Beziehung“ (Kurator / Curator: Wolfgang Ullrich), 1999

Im Arbeitsprozess / Work in progress